Oldenburger Kinder- und Jugendbuch: Preisträger
Geschrieben von: www.julim-journal.de/Redaktion
Der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2011 geht mit „Es war einmal Indianerland“ an den Autor Nils Mohl.
Er bekam den Preis für sein bereits erschienenes Jugendbuch „Es war einmal Indianerland“ (Rowohlt). Der mit 7.600 Euro dotierte Preis wurde dem Autor am Mittwoch, 9. November, im festlichen Rahmen im Claus-Hüppe-Saal des Stadtmuseums von Oberbürgermeister Prof. Dr. Gerd Schwandner überreicht.
Von 528 Einsendungen, darunter 122 verlegte Werke und 416 Manuskripte, wählte die Jury zunächst vier Nominierte aus. Letztendlich entschied sich die Jury für Nils Mohl als Preisträger. „Unsere Entscheidung fiel einstimmig aus, ohne hin- und herwogende Diskussionen. Stattdessen wogten die Argumente für das Preisträgerbuch hin und her, da jeder Juror seine ganz persönlichen Argumente hatte“, begründete Juror Ralf Schweikart die Entscheidung der Jury. „Es sind ungemein fassbare, lebendige, ganz eigenständige und eigensinnige Figuren, die der Autor beschreibt und dem Leser nahe bringt. Es ist seine Art, die Handlung nicht chronologisch, sondern in Vor- und Rückblenden ineinander zu verschachteln. Es ist der souveräne Umgang mit den unterschiedlichsten Stilformen, die sich collagenhaft durch den Roman ziehen. Das zusammen entspricht dem Anspruch an ein herausragendes literarisches Werk.“
„Nils Mohl bietet mit „Es war einmal Indianerland“ eine raffinierte Story mit Vor- und Rückblenden, schnellen Schnitten und allen Beigaben, die der medial verwöhnte Leser erwarten mag. Auch wenn das Stichwort „All-Age“ kaum noch zu ertragen ist, hier passt diese Zuordnung und zwar im besten Sinne. Der Autor schildert spartenübergreifend das Chaos eines jungen Helden, ohne dass die Handlung in mystischen Klamauk abdriftet, vor Bedeutungsschwere erlahmt oder mit einer vordergründigen Botschaft nervt. Der Leser hat sich einem komplexen Geschehen zu stellen, doch wo das Publikum ohnehin mit Spots und Schnitten groß geworden ist, dürfte das keine Hürde aufbauen“, meint Juror Robert Elstner. Die Preisrede auf „Es war einmal Indianerland“ von Nils Mohl hielt die Autorin, Übersetzerin und Vorlesekünstlerin 2010 Sabine Ludwig. „Der Text ist nicht nur rasant in einer sehr filmischen Sprache erzählt „ die Anklänge an berühmte Western ziehen sich leitmotivisch durch das Buch „ , er ist auch ungemein sinnlich [„]. Ich könnte viele Stellen anführen, bei denen ich beim Lesen innehielt und Sätzen nachschmeckte, Bilder sah, Musik hörte“, lobte Ludwig das Jugendbuchdebüt des Autors. Es bliebe ihr nur eins zu sagen „Lesen Sie dieses Buch, genießen Sie es, es ist anders, es ist besonders, es ist einfach grandios.“ Die Preisverleihung wurde von Andreas Platthaus, F.A.Z. Redakteur, moderiert.
Zum Inhalt des Jugendbuches „Es war einmal Indianerland“ von Nils Mohl:
„Ich brauche ein Auto, ich brauche Geld, ich brauche Schlaf. Was ich habe, sind eine Mütze, noch fünf Tage Sommerferien, die Bohrmaschine von Edda.“
So verwirrend beginnt der namenlose Ich-Erzähler seinen Bericht über die Befreiung aus einer aufdiktierten Rolle. Als Boxer soll er sich nach den Vorstellungen des Vaters in einem Hamburger Sozialghetto behaupten. Doch als der Vater des Mordes an seiner Lebensgefährtin überführt wird, gerät die ohnehin brüchige Zukunftsplanung des Helden aus den Fugen. Er muss den fliehenden Vater finden und zur Rede stellen, die Sache mit Jackie ins Reine bringen, deren sinnlichen Reizen er hemmungslos erlegen ist und obendrein ist da noch Edda, die ein Auto hat, zu der er sich eher ideell hingezogen fühlt und die ihm unverhohlene Angebote macht. Die Ausweglosigkeit seiner Situation nährt einen skurrilen Verfolgungswahn, denn auf Schritt und Tritt begegnet ihm ein mysteriöser Häuptling, dessen Erscheinen er nicht zu deuten weiß. Der einsame, 17-jährige Cowboy wird von der Liebe getrieben und den Leser erwartet ein apokalyptisches, filmreifes Finale.
Nils Mohl (geboren am 31. Juli 1971 in Hamburg) studierte in Kiel, Tübingen und Berlin neuere deutsche Literaturwissenschaft, Linguistik und Volkskunde sowie in Weimar Kulturmanagement. Er war unter anderem zweimaliger Gewinner des Literaturförderpreises Hamburg sowie zweimaliger Träger des MDR-Literaturpreises. Nils Mohl gehört dem Forum Hamburger Autoren an, zu dem derzeit auch Sigrid Behrens und Andreas Münzner zählen. Neben dem Schreiben arbeitet er als Dozent für Schreibtechnik an der Universität. Nils Mohl lebt mit seiner Familie in Hamburg.
(c) Foto Philipp Herrnberger


