Beyerlein, Gabriele

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Gabriele Beyerlein wurde 1949 in Bayern geboren, studierte – nach einem Semester Medizin - Psychologie in Erlangen und Wien, promovierte an der Universität Erlangen-Nürnberg und arbeitete dort sieben Jahre in der sozialwissenschaftlichen Forschung und Lehre. Aus dem Erzählen für ihre beiden Kinder entwickelte sich ihr zweiter Beruf, das Schreiben. Seit 1987 ist sie freie Schriftstellerin. Nach vielen Jahren im Nürnberger Land lebt sie nun mit ihrem Mann in Darmstadt. Bekannt wurde Gabriele Beyerlein durch zahlreiche historische und prähistorische Romane und erzählende Sachbücher für Kinder und Jugendliche sowie durch phantastische Kinderliteratur, 1999 erschien ihr erster Roman für Erwachsene. Aus ihrer Beschäftigung mit frauengeschichtlichen Themen zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs entstand ihre Berlin-Trilogie.

Die in Darmstadt lebende Schriftstellerin Gabriele Beyerlein erhielt am 28. April 2008 im Berliner GRIPS-Theater den Heinrich-Wolgast-Preis für Jugendliteratur zur Arbeitswelt der GEW. Ihr Roman „In Berlin vielleicht“ ist der erste Band einer Trilogie über die Kaiserzeit. Mit beiden Füßen auf dem Boden der Geschichte schildert Beyerlein Berliner Frauenschicksale. Sie erzählt Geschichte von unten – in „In Berlin vielleicht“ aus der Sicht von Lene, der unehelichen Tochter einer Magd. Die Jury begründet ihre Entscheidung für das Buch unter anderem damit, dass die Autorin eine intensive Nähe zu dem Mädchen Lene aufbaut: „Lene ist ein starkes Mädchen, das immer wieder an der menschenfeindlichen Situation zu zerbrechen droht, dennoch einen Ausweg findet und sich durchsetzt. Vielerlei wird geschildert, was unsere Kinder heute nicht mehr kennen, unbedingt aber kennen lernen sollten: die Arbeitsbedingungen, die Herrschaftsverhältnisse, die doppelte Moral der kaiserlichen Gesellschaft, der Kampf gegen Vorurteile, der beginnende Klassenkampf,“ Unaufdringlich und quasi „nebenbei“ erfährt man auch etwas über die Geschichte der Sozialdemokraten und das Sozialistengesetz. Nach Meinung der Süddeutschen Zeitung liegt der Autorin liegt daran, „das Leben im Berlin der Kaiserzeit zu zeigen, die Welt der Dienstmädchen, der Arbeiter und Soldaten und der Bürgerfamilien – eine Welt, die sie sehr gut recherchiert hat.“ Auch der zweite Band der geplanten Trilogie ist bereits erschienen. In „Berlin Bülowstraße 80a“ beschreibt Beyerlein Sophie und ihrer Tochter Charlotte, zwei unterschiedliche Frauen mit Zukunftsvorstellungen, die sich in einer Zeit, in der Mädchen und jungen Frauen der Zugang zu Gymnasien und Hochschulen in Preußen verwehrt ist, aber schwer realisieren lassen. Dieser Band erscheint im Sommer als Taschenbuch, während der dritte Band der Berlin-Romane noch bis 2009 auf sich warten lässt. Die Autorin hat uns aber schon ein bisschen darüber verraten und mich neugierig gemacht: „Der in den Jahren 1895/1896 spielende dritte Band der Kaiserzeit-Trilogie erzählt ein Stück Lebensgeschichte von zwei äußerst unterschiedlichen Hauptfiguren, die schicksalhaft miteinander zu tun bekommen. Die eine ist Clara, eine im Hinterhof wohnende junge Fabrikarbeiterin, die andere Margarethe, eine aus reicher Familie stammende Baronesse. Sozialgeschichtlich betrachtet werden hier also in einer Romanhandlung verdichtet die elenden Lebens- und Arbeitsbedingungen von Fabrikarbeiterinnen mit dem Lebensstil der Damen der obersten Klasse kontrastiert. Das Ringen von Frauen um Bürgerrechte und Emanzipation, die sozialistische und die bürgerliche Frauenbewegung sowie soziales Engagement wohlhabender Damen spielen als Hintergrundthemen ebenso eine Rolle wie die Schikanen gegen die SPD und der Berliner Streik der Konfektionsarbeiterinnen. Doch vor allem erzählt der Roman von den Konflikten und Nöten der beiden Protagonistinnen, von ihrer Suche nach Sinn, Erfüllung und Liebe.“ Wir können also einen weiteren Roman von Gabriele Beyerlein erwarten, der es über spannendes Erzählen und die Entwicklung verschiedener Charaktere hinaus Lernprozesse ermöglicht. In vielen Lesungen in Schulen und Bibliotheken hat Gabriele Beyerlein erfahren, „dass sich Jugendliche wirklich dafür interessieren, wie Gleichaltrige früher gelebt haben, und auch die Jungs intensiv zuhören. Vielschichtige Recherchen und intensives Denken vor dem Schreiben gehören zu den Qualitätsmerkmalen ihrer Arbeit an geschichtlichen oder vorgeschichtlichen Themen. Titel wie „Die Sonne bleibt nicht stehen“ oder „Gabriele Beyerlein erzählt von den Steinzeitjägern“ sind gern gelesene Jugendbücher in der Schule. Ihre fantastischen Geschichten wie „Der Schatz von Atlantis“ oder „Der schwarze Mond“ beschreiben packende Ausflüge in eine andere Welt. Beyerlein betont, dass sie ihre jungen Leserinnen und Leser „nicht belehren“ will. Die eigene Ergriffenheit beim Schreiben sei eine Voraussetzung, um Kindern beim Lesen ganze Welten zu öffnen und sie in Bücher hineinzuziehen. Lesungen an Schulen, die sie als „anstrengende Arbeit“ wahrnimmt, sie für Gabriele Beyerlein „ein wichtiges Pendant zum Schreiben, ein aktives auf andere Zugehen nach dem inneren und äußeren Rückzug des Schreibens.“ Der Kontakt mit ihren potenziellen Leserinnen und Lesern bietet ihr auch einen „wesentlichen Einblick in die gesellschaftliche Realität unserer Gegenwart.“ Sie will, dass Kinder und Jugendliche die Erfahrung machen können, „dass Literatur berühren, in Bann ziehen und Welten öffnen kann.“ Sie sollen den Autorinnen und Autoren offen und authentisch begegnen und dabei „auch Lebensentwürfe und Werte kennenlernen, die nicht auf die allgegenwärtigen Faktoren Freizeit, Spaß und Geld ausgerichtet sind.“

Gabriele Beyerlein liest in Schulen mit Unterstützung des Boedecker Kreises Literatur&Schule und örtlicher Fördervereine. Die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW Hessen AJuM empfiehlt, auch einmal beim örtlichen GEW-Kreisverband nachzufragen. Weitere Informationen und Hinweise auf ihr Gesamtwerk findet man auf der Homepage www.gabriele-beyerlein.de.

Dieser Artikel erschien in der Hessischen Lehrerzeitung (HLZ). Hannelore Verloh ist Leiterin der AJuM Landesstelle Hessen und war Jury-Mitglied zum Heinrich-Wolgast-Preis 2008.