Janosch

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Einer, der die Kinderwelt nachhaltig beeinflusste mit seinen Bildern und Geschichten – seit nunmehr 40 Jahren, Kinder und ihre Eltern gleichermaßen. Auf sonderbare Weise sind auch seine Märchen, in denen er die Verhältnisse oft einfach umkehrte, völlig angstfrei. Die Kleinen und das Gute siegen, ohne dass es richtige Verlierer gibt. Die Kinder-und Jugendliteraturbranche feiert am 11. März Janoschs 80. Geburtstag.


Die Liebe und das Vertrautsein sind seine Sache, und man möchte meinen, dass Horst Eckert, der sich Janosch nennt, eine entsprechend schöne Kindheit hatte.
Aber das war ganz und gar nicht so. Geboren wurde er in Hindenburg, einer Großstadt in Oberschlesien, geprägt vom Kohlebau und nach dem ersten Weltkrieg geteilt. Seine Kindheit war geprägt von Angst und Drohungen von Seiten des alkoholkranken und gewalttätigen Vaters, von Seiten der Kirche (man denke nur an Hölle und Fegefeuer), von Seiten der Schule, die er allerdings nur kurz besuchen musste – wir befinden uns in den Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs, und der kleine Horst Eckert bekommt Gelbsucht, die zunächst verschleppt und damit chronisch wurde.
Als er 15 Jahre alt ist, fliehen seine Eltern in den Westen nach Oldenburg, er kurz darauf nach München, will Maler werden, frei und ungebunden. Genau das gelingt ihm, wenn auch nicht sofort, bis heute, wo er auf einem Berg in Teneriffa lebt und auf Vieles verzichtete, auch auf Tantiemen aus der Vermarktung seiner Figuren (Stichwort: Tigerentenclub).
Seit 1960 benutzt er den Namen «Janosch» und veröffentlicht sein erstes Buch. Inzwischen sind es weit mehr als hundert, viele sind in mehrere Sprachen übersetzt worden. Janoschs Figuren leben in vielen Staaten, und wir hoffen, dass er uns noch lange mit seinen Geschichten und Bildern erfreuen kann – und noch manch eine dazu kommen wird:

 


Herzlichen Glückwunsch, lieber Janosch, zum 80. Geburtstag!

 

Sein Hausverlag hat ihm zu Ehren zwei Sammelbände zu je einem günstigen Preis herausgegeben, von denen wir hier Kurzrezensionen abdrucken:

Janosch: Tierische Parade
Die schönsten Vorlesegeschichten
Weinheim: Beltz & Gelberg 2011-03-0
978-3-407-79979-1
197 S * geb * 14,95 € * 4-99 J

Der Untertitel «Die schönsten Vorlesegeschichten» ist etwas missverständlich, denn die Anthologie ist eher Bilder- als Lesebuch, auch wenn die Geschichten eher für (noch) leseunkundige Kinder geschrieben sind. Tiere nehmen die Rolle von Personen ein, alle ein bisschen einfältig, ohne dass man sie «dumm» nennen würde, denn sie sind sehr sympathisch.

Zwischen 1978 und 1994 erschienen die zweiundzwanzig Geschichten, die hier anlässlich Janoschs 80. Geburtstag in einem Band veröffentlicht werden. Die Bilder sind deutlich gewichtiger als der Text, nur wenige Geschichten kommen fast ohne sie aus.
Wir haben die Grille, die den ganzen Sommer für die anderen Tiere Musik macht und für Freude und Gelöstheit und Tanz gesorgt hat. Als aber der Winter kommt, hat sie weder mit Haus noch mit Essen vorgesorgt und die, die sehr gern ihre kostenlose Musik hörten, verweigern ihr nun den Dank – bis auf den Maulwurf.
Wir haben die einfältigen Bär und Tiger, die sich aufmachen ins Land ihrer Träume aber gar nicht merken, dass das tatsächlich gefundene Land eben das ist, das sie vor geraumer Zeit verließen. Dennoch wird auch uns klar, dass das Sehnen nach der Ferne nicht aufgehört hätte, wären sie daheim geblieben.
Janosch fordert seine jungen Zuhörer, dass sie seinen Humor verstehen und ihn lieben lernen. Das geschieht sehr schnell, auch, weil das Bild den Text manchmal karikiert oder witzige Einzelheiten zeigt. Dazu gehört, dass der Tiger eine kleine getigerte Ente auf Rollen hinter sich herzieht, nötigenfalls mit der Leine im Maul, und sich immer Sorgen um diese macht. Dazu gehört, dass der Fuchs durchaus den Hasen im Maul oder die Gans vor dem Kochtopf hat. Dazu gehört, dass Grille und Maulwurf zusammen im Bett liegen und «kuscheln» oder der Frosch die Tigerente küssen will und auf die Erlaubnisfrage das Quietschen der Räder mit «Ja» interpretiert. Dazu gehört, dass auf dem Bild an der Wand steht: «Fast alles ist schön». Es ließen sich viele Beispiele finden.
Auch vor leicht derber Sprache macht Janosch nicht Halt: «Wir lernen hier aus diesem Mist, / dass alles so ist, wie es ist.», und das darf auch so sein.

Das zweite Buch ist wirklich ein (Vor-) Lesebuch:


Janosch: Wahre Lügengeschichten
Weinheim: Beltz 2011
ISBN 978-3-407-74230-8
330 S * TB * 12,90 € * 4-99 J


Der Löwe aus der Spielzeugkiste heißt Hans, «ehrlicher Hans», und was er absolut nicht leiden kann, sind Lügen. Gut, dass er nicht ganz helle ist, denn Lari Fari Mogelzahn, der Nussknacker mit dem auswechselbaren Gebiss erzählt jeden Abend eine Geschichte, deren Wahrheitsgehalt jedes Kind ab 3 Jahre erkennen kann. Aber da sie lustig sind und spannend auch noch, mag man das Geflunkere auch noch gern hören.



Die «wahren Lügengeschichten» sind in drei Abschnitte geteilt, insgesamt 46 Kapitel, die alle im Untertitel eine kurze Beschreibung des nun folgenden Inhalts aufweisen: «Wie Lari Fari Hosenknöpfe beißen musste und aus einer Notlage befreit wurde.» So weiß man gleich, was kommen wird, ohne dass aber auch nur das Geringste verraten wurde.

Die Geschichten sind so dick aufgetragen, dass nur ganz naive Kinder nachfragen werden. Ideal zum Vorlesen am Abend. Obwohl die ersten bereits 1974 erstmals erschienen und so alle zwischen 30 und 40 Jahre alt sind, wirken sie überhaupt nicht verstaubt. Die Charaktere gibt es auch heute noch in den Spielzeugkisten.

Janosch zeichnet zu seinen Geschichten schwarz-weiße Bilder, Skizzen, die genau den Ton treffen, den der Text ausstrahlt.