Härtling, Peter
Peter Härtling,
ein lebender Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur und ein wunderbarer Erzähler
Im November 2011 erhält Peter Härtling von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur den Großen Preis als Auszeichnung für sein Lebenswerk. Die Liste seiner Veröffentlichungen und seiner Preise ist lang und das Lebenswerk noch nicht beendet. Gerade in diesem Jahr ist er häufig zu Lesungen und Veranstaltungen unterwegs, bei denen er den biographischen Roman „Liebste Fenchel“ vorstellt. Er gehört zu einer ganzen Reihe von Musiker- und Schriftsteller-Biographien (Schubert, Mozart, Hölderlin z.B.), die er in unterhaltsame, fiktive Erzählungen verpackt hat, nachdem er gründlich das Leben erforscht hat.
(c) Stephan Morgenstern / Beltz & Gelberg
Am 15.Mai dieses Jahres hat Peter Härtling als Jury-Vorsitzender in Weinheim (Sitz des Verlages Beltz&Gelberg) den 15. Peter-Härtling-Preis, der für unveröffentlichte, anonyme Texte vergeben wird, an Salah Naoura für „Matti und Sami und die drei größten Irrtümer des Universums“ (inzwischen erschienen) überreicht.
Im Herbst erscheint für kurze Zeit eine Kinderromansammlung, die man sich weder individuell, noch als Schulbibliothek entgehen lassen sollte: Über Jahrzehnte haben vor allem Schulklassen „Oma“, „Ben liebt Anna“, „Das war der Hirbel“ als Schullektüre in orange leuchtenden Taschenbüchern gelesen. Das hat dazu beigetragen, dass heute Kinder- und Jugendliteratur fester Bestandteil des Deutschunterrichts geworden sind und aus Schulbüchern in Auszügen nicht mehr wegzudenken ist. Parallel zu Klassenlektüren hat Härtling selbst eine Kommunikationskultur mit Schülern entwickelt. Dabei entstanden Briefwechsel und Interviews, die freies Schreiben und den Dialog mit dem Autor förderten, ohne enge Rezepte von Literaturkarteien vorzugeben.
Neben diesen und anderen selbst geschriebenen Klassikern der erzählenden Kinderliteratur(z.B.“Krücke“)ist das Werk Härtlings aus der Sicht von Lehrern noch besonders für die Aufarbeitung von Highlights der großen deutschen Klassiker für Kinder zu loben. Zu Goethe, Schiller, Heine, Eichendorff und Ringelnatz hat er trefflich illustrierte, hochwertige Kinderbücher im Insel-Verlag herausgegeben(Zum Teil gibt es Lizenzausgaben für die Büchergilde Gutenberg). Die ausgewählten Texte und Kommentare hat er selbst auf Hörmedien gesprochen.
Im „Werkstattbuch Peter Härtling“(Beltz&Gelberg 1998 )schreibt der Autor von seinem tiefen Vertrauen in Kinder: Sie enthalten zu Beginn „alles, was später verschüttet wird oder verloren geht oder gestärkt wird: die Fähigkeit zur Freundschaft, die Fähigkeit zur Liebe, die Fähigkeit zum Hass, die Fähigkeit wütend zu sein, die Fähigkeit zärtlich zu sein, die Fähigkeit einsam zu sein, die Fähigkeit zur Gemeinsamkeit.“ (S.23) Durch Bilder, Gedichte und Geschichten – vor allem Menschengeschichten – versucht Härtling bewusst diese Keime zu pflegen und entwickeln. Dabei hat er vorbildlich offene, fragende Schlüsse propagiert und zum Weiterdenken angeregt. Seine „Fünf Überlegungen beim Schreiben von Kinderbüchern“ (a.a.O. S.49f) haben weiter Gültigkeit und die fünfte gefällt mir besonders: „Beschreibe Wirklichkeiten – aber so, dass sie die Phantasie nicht lähmen, den Traum nicht ausschließen. Hilf den Kindern nicht, mit der Literatur aus der Wirklichkeit zu fliehen. Hilf ihnen, ihre Welt zu verstehen, zu durchschauen, zu bezweifeln, zu befragen und, wenn es nötig ist, anzugreifen.“ (S.50)
Kaum ein bekannter Schriftsteller von Kinderliteratur hat sich so unermüdlich in das öffentliche kulturelle und gesellschaftliche Leben seiner Zeit und Umgebung eingemischt wie Peter Härtling. Kinder können das immer wieder bei Autorenlesungen an Schulen nachvollziehen!
Können die berühmten Kinderromane auch nicht mehr als aktuell und gesellschaftskritisch angesehen werden – das Alltagsleben der Kinder hat sich rasant verändert -, so ist ihre Lektüre doch noch immer ein Gewinn. Härtlings realistischer Erzählstil, die Personencharakterisierungen und genauen Beobachtungen und sein humanitäres Partei-Ergreifen für Schwache (besonders für Kinder) bleiben wertvoll.
Einzelrezensionen zu Peter Härtling findet man in der Datenbank unter www.ajum.de , wenn man dort z. B. den Nachnamen eingibt und bei «Archiv» ein Häkchen setzt. Zu «Paul das Hauskind» sind dort aktuell 7 Rezensionen zu finden.


