Büchner, Georg
Geschrieben von: www.julim-journal.de/Jörg Schlewitt
Kennst du Büchner?
Gerade als 2011 der überregionale Georg-Büchner-Preis zum 60. Mal an Friedrich Christian Delius verliehen wurde, erschien in der Reihe „Weltliteratur für junge Leser“ Silvia Franks Buch über Georg Büchner.

Silvia Frank, Kennst du Georg Büchner?
Georg Büchner werden viele Jugendliche kennen, gehören seine Werke doch seit Jahrzehnten zum Lektürekanon im Literaturunterricht. Das wird wohl in Zukunft auch so bleiben, weil der Autor zu den großen Dichterpersönlichkeiten gehört, die die moderne deutsche Literatur mit begründet und nachhaltig beeinflusst haben. Genügt dieser Hinweis schon alleine, damit jugendliche Leser Büchners Werke als interessante Lektüre auswählen? Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang den diesjährigen Büchner-Preisträger F.C. Delius zu Wort kommen lassen, der in einem Interview mit dem Deutschlandradio über das Lesen alter Meister bemerkt:
„Ich finde, dass die alten Meister nicht nur gut zu lesen sind, sondern da steckt ja sozusagen so viel Welterfahrung drin, so viel Erinnerung.... Also man kann viel fürs Leben lernen, wenn man solche Bücher liest ... und das ist das beste Medium, um sich in der Welt zurechtzufinden. Deshalb ist die Literatur für mich immer doch noch das eigentliche Leitmedium, also jedenfalls von der Substanz her.“ (Büchner-Preisträger F. C. Delius im Gespräch mit Liane von Billerbeck am 18.05.2011 im Deutschlandradio)
Nun gibt es allerdings eine Vielzahl von Lektürehilfen zu Werken des Dichters. Was kann da die aktuelle Publikation von Silvia Frank noch leisten? Dazu soll ein Blick in das Buch geworfen werden.
Normalerweise ist es ja üblich, dass das Interesse des Lesers für einen Autor erst durch die Lektüre eines seiner Werke geweckt wird. Dieser Tatsache ist sich die Lehrerin und Literaturdidaktikerin Silvia Frank wohl bewusst, wenn sie gleich zu Beginn des Buches ihre Leser fragt: „Lust auf Büchner, den Unbekannten?“ Um die Frage beantworten zu können, legte sie 15- und 16-Jährigen eine knappe biografische Übersicht vor und ließ sie auf dieser Grundlage Fragen zu dem Dichter stellen. Die Schüler wollten Informationen zu den geheimen Aktionen Georg Büchners, zu seiner Flucht vor der Polizei und zu den Zuständen im hessischen Kleinstaat haben. Auch die heimliche Verlobung, die Familienverhältnisse, die Schulzeit, die Freizeit als Jugendlicher, die Lebenspläne, die Krankheiten und der frühe Tod interessierten sie.(S.7 ff.)
In den nun folgende neun Kapiteln, die den Lebensweg des Dichters mit eingefügten Textproben nachzeichnen, versucht Frank vom Leseinteresse der Jugendlichen ausgehend, ein lebendiges Bild von Georg Büchner zu vermitteln. Während der Lektüre des Buches wird der Leser immer direkt angesprochen und somit aktiv in das vermittelte Bild von Büchner und seinem Werk einbezogen. In der Darstellung bevorzugt Silvia Frank den Fließtext, der einer autobiografischen Erzählung sehr nahe kommt. Da sie sich auch in der sprachlichen Gestaltung an der Leseerfahrung und dem Lektüreniveau der Jugendlichen orientiert, lässt sich das Buch sehr gut lesen.
Die Kapitelüberschriften sind jeweils mit Zitaten von Büchner unterlegt, die neugierig auf den Text machen. So findet sich bei dem Kapitel „Gedanken des Schülers Georg Büchner über Freundschaft und Freiheit“ das Zitat: „Die wahre Freundschaft ist nur diejenige, welche sich unveränderlich auch im Unglücke…bewährt.“ (S.11) Das Kapitel „Schulzeit in Darmstadt“ wird mit dem folgenden Zitat eingeleitet:“ …o’s grausig wichtig, wenn es nur nicht so langweilig wär.“ (S.23)
In den Erzählfluss, der als Text von Silvia Frank, kursiv gesetzt ist, werden Briefe, Zitate, Selbstzeugnisse und viele Bilder eingefügt. Besonders ausführliche Werkauszüge gibt es zu Dantons Tod (S.54 ff), zu Lenz (S.68 ff.), Leonce und Lena (S.77 ff. ) und zu Woyzeck (S.89 ff.). Auch ist Der Hessische Landbote(S.42 ff.) ausführlich kommentiert in das Buch aufgenommen worden.
Im letzten Kapitel knüpft Silvia Frank mit fast gleicher Überschrift noch einmal an das erste.Kapitel an: „Lust auf Büchner!?“
Zum Schluss wendet sie sich wieder direkt an ihren Leser:
"Nun ist Georg Büchner, der „tolle Hund“ und „Revolutionär vom reinsten Wasser, wie Alfred Döblin ihn genannt hat, für dich kein Unbekannter mehr. Schuldig geblieben bin ich dir noch, über das Schicksal seiner Verlobten und seiner Mitstreiter Auskunft zu geben. Das will ich kurz nachholen." (S.113)
„Kennst du Georg Büchner“ ist als Lesestoff für den Literaturunterricht zu empfehlen. Deshalb sollte der Band in jeder Schulbibliothek präsent sein. Natürlich gibt es auch in diesem Buch bei den Werkausschnitten von Dramen das alte Problem, dass sich diese Texte schwer lesen lassen. Der Vorschlag von Schülern, eines der Dramen zu inszenieren (S.7) oder die DVD (Woyzeck mit Klaus Kinski, Eva Mattes, W.Reichmann, DVD Arthaus 2004, 9,99 € oder Leonce und Lena, DVD 2008, 24,98 €) anzuschauen, sind gute Empfehlungen.
Das Buch schließt mit einem biografischen Überblick, mit Quellenangaben, dem Literaturverzeichnis sowie mit Informationen zur Autorin. Als Anhang für interessierte Leser findet sich eine Liste zu weiteren Publikationen aus dieser Reihe.
"Kennst du Georg Büchner?" wurde von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. als Jugendbuch des Monats Oktober 2011 ausgewählt: ISBN 9783937601878,
Bertuch Verlag, Weimar 2011
119 Seiten, TB, 12,80 €


