Mitgutsch, Alfons

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Durch Alfons Mitgutsch, genannt Ali, haben wir (Groß)Eltern – und unsere Kinder – gelernt, dass man sich ganz lange mit einem Bild beschäftigen kann, weil man immer noch etwas Neues findet oder andere Zusammenhänge nennen kann. Andere prägten später dafür den Begriff »Wimmelbilder« und adaptierten seine Idee. Wunderbar »Ich sehe was, was du nicht siehst...« zu spielen oder »Ich sehe ein Tier, das …«. Am 21. August 2010 wird Ali Mitgutsch 75 Jahre alt.

Von seiner Kindheit in München und Umgebung erzählt Mitgutsch, dass er im Wesentlichen allein war, schüchtern, Ziel von Spott und Schlägen. Sätze wie »Wenn du nicht einschlafen willst, dann holt sich der Tod die gestohlene Zeit zurück.« prägten seine jüngste Kindheit, in der es wenig zu essen und schon gar nicht zu spielen gab, sodass er als Junge während des »Mittagsschlafs« auf die Idee kam, mit einem Popel Eisenbahn zu spielen, nachdem er in den relativ weichen Wandputz mit dem Fingernagel eine Eisenbahnlinie gekratzt hatte.

Drei Jahre seines Lebens verbrachte Mitgutsch »auf dem Land« im Allgäu. »Verschickung« nannte man das, denn man schrieb das Jahr 1943, Kriegsjahr also, und er – wie alle anderen aus den Städten, hauptsächlich aus München – mussten in die Zwergschulen (1. bis 8. Klasse in einem Raum) gehen und waren dort die Prügelknaben für die »Einheimischen«. So passierte es nicht nur einmal, dass die Großen ihn festhielten, während die Kleinen zuschlagen durften. Das ging in München nach dem Krieg noch weiter. Besonders die aus der Fallmerayer Straße in Schwabing bildeten eine gefürchtete Horde, »Strassler« nannten sie sich, vor der sich die anderen Kinder in Acht nehmen mussten, und einmal mehr dieser schüchterne Junge, der sich damals leicht beeindrucken ließ. Aber das hat er gelernt: Weil er oft allein war, hat er sich seine Abenteuer notgedrungen erträumt. »Lebe wie ein Kind« heißt für Mitgutsch, »lebe für den Augenblick«. Denn wenn dieser Moment vorbei ist, kehrt er nicht mehr zurück. »Ich, der ich kein volles, pralles Heute hatte – ich hatte mir ja alles ausgedacht - … ich behielt die Träume viel stärker in der Erinnerung …« Das führte dazu, dass er auch heute als „alter Mann« ein Gespür für das hat, was für die Kinder heute auch wichtig ist. »Ich hatte einfach ein großes Repertoire an Wünschen, Vorstellungen, Fantasien, meiner Kindheit gespeichert.« Quelle: Video-Interviews unter www.memoro.org/ u.a. Nach seiner Lehre als Litograph und dem Abschluss des Studiums an der grafischen Akademie in München verdiente Mitgutsch seinen Lebensunterhalt als Illustrator, Grafiker und Maler. Sein erstes Bilderbuch »Pepes Hut« erschien 1959 bei Parabel in München (1964 Kinderbuchverlag Berlin, DDR)

»Rundherum in meiner Stadt« erschien 1968 beim Ravensburger Verlag und wurde bisher mehr als 1,3 Millionen Mal verkauft und wurde ein Jahr später mit dem »Deutschen Jugendbuchpreis« ausgezeichnet. Insgesamt haben seine Bücher eine Auflage von rund 5 Millionen plus 3 Millionen auf dem internationalen Markt. Sein „Hausverlag“ Ravensburger brachte 35 Originaltitel in verschiedenen Ausstattungen heraus. Im neuen Sonderband "Mein schönstes Wimmel-Bilderbuch" nimmt Mitgutsch unsere, »seine« Kinder mit zu verschiedenen Örtlichkeiten: im Zoo, das Leben auf dem Bauernhof, im Schwimmbad, am Strand, der Flughafen. Beim Bau eines neuen Hauses werden viele Berufe benötigt, gleichzeitig geht da wenig. Das ist im Hafen ganz anders, und auch auf dem Flughafen – auch wenn wir hier ein ankommendes Flugzeug begrüßen. Im Märchenwald geht es von den sieben Zwergen über Rapunzel und den sieben Geißlein nahtlos über in die Welt der Vulkane und die der Dinosaurier. Wir sind mit vielen anderen Menschen im Englischen Garten oder machen eine Nachtpartie, wir erleben den Herbst wie den Winter und wieder den Frühling und den Sommer gleich auf mehreren Seiten. Das Hardpappenbuch mit den abgerundeten Ecken und der Größe eines Atlasses ist ein echtes Geschenk für den Autor, mehr aber noch für die, die in der nächsten und übernächsten Generation groß werden mit Ali Mitgutsch.

So war es auch bisher: Generationen von Kindern wuchsen mit seinen Bildern auf, haben gelernt, genau zu schauen, ihre Umwelt besser begriffen, auch die der fremden »nahen« Umgebung. Dabei zeigt Mitgutsch nicht nur die »heile Welt«, wer genau schaut, entdeckt auch die kleinen Katastrophen: Ein Auto bleibt auf einer Serpentinenstraße qualmend liegen. Oder: Die Katze schleicht sich an das Vogelhäuschen heran. Oder: Jetzt kann der Junge wirklich nicht mehr aushalten und stellt sich zum Pinkeln – deutlich sichtbar – hin. Wir würden es – vielleicht – nicht merken, aber ohne »Wimmelbilder« würde uns was fehlen.

Bibliografie (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Pepes Hut
  • Rundherum in meiner Stadt
  • Komm mit ans Wasser
  • Auf dem Lande
  • Ich bin der kleine Hase
  • Bei uns im Dorf
  • Hier in den Bergen
  • Was wimmelt denn da
  • Die Hexe und die sieben Fexe
  • Unsere große Stadt
  • Ritterbuch
  • Engel in der Werkstatt
  • Aufbruch der Weihnachtsmänner
  • Rund ums Rad
  • Rund ums Schiff
  • Mein schönstes Wimmelbilderbuch
  • Das große Piraten Wimmelbuch
  • Alle spielen mit
  • Mein riesengroßes Piraten- Wimmelbuch