Schreiben, Lesen, Reisen
Geschrieben von: www.julim-journal.de/Ute Wolters
Wolfgang Bittner ist ein Autor, der seit den 80-er Jahren als Autor realistischer Jugendbücher bekannt geworden ist. Zu seinem 65. Geburtstag erschien ein broschierter Band mit 13 Artikeln von bzw. über Wolfgang Bittner:Wolfgang Bittner: Schreiben, Lesen, Reisen. Essays und Vorträge. Athena, Oberhausen 2006
„Aufgewachsen in Ostfriesland“ schildert den fast exemplarischen Weg aus einer Familie, die, aus Schlesien vertrieben, 1945 in Wittmund/Ostfriesland Unterkunft, aber kaum eine neue Heimat fand. Die kleine Stadt wuchs in den Jahren 1945/46 den Zuzug von Flüchtlingen so stark, dass es gerade auch unter den Kindern immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen kam. Die Eltern blieben, wie der Autor schildert, entwurzelt.
Aber der Sohn machte seinen Weg: über Lektüre, Erwachsenenabitur, Studium zum Juristen, um dann als freier Schriftsteller ab 1974 seinem Lebensziel nachzugehen: Schreiben, Lesen, Reisen.
Die Reisen führten ihn u.a. nach Kanada, wo er den Norden „zu Fuß, mit dem Kanu, per Flugzeug und Auto erkundet“, auch ein Vierteljahr allein in der Wildnis gelebt hat. (S. 55). Diese Erfahrungen waren für ihn unabdingbare Voraussetzung für das Schreiben von Abenteuerbüchern wie für die theoretische Auseinandersetzung mit dem Schreiben und Lesen von Abenteuerliteratur, was sich in den Kapiteln „Meine Abenteuer in Kanada“ (S. 49 ff.) und „Das Abenteuer in der Literatur“ (S. 53 ff.) spiegelt. Dabei geht es Bittner darum, „die Leser zum Nachdenken über sich und ihr eigenes Leben anzuregen, über die Existenz in einer Zivilisation, die in vieler Hinsicht unbefriedigend, ja fragwürdig ist“, ohne dass er das Leben in der Wildnis romantisieren will.
Einen anderen Schwerpunkt des Bandes bildet die Beschäftigung mit der eigenen Herkunft, der Beziehung zu Polen, der Auseinandersetzung mit dem Thema der Heimat. Wolfgang Bittner setzt sich für die Anerkennung der durch den 2. Weltkrieg geschaffenen Tatsachen ein, auch wenn er deswegen z.T. stark angefeindet wird, ohne die schlimmen Erfahrungen der Vertriebenen zu verschweigen. Sein Interesse gilt dem gegenseitigen besseren Verständnis zwischen Polen und Deutschland, das nur durch Offenheit und Auseinandersetzung mit der Geschichte zu erreichen sei (S. 87).
Ein dritter Aspekt des Bandes enthält Artikel über das Schreiben und den Umgang der Verlage mit schreibenden Menschen. Dabei schwingt durchaus Sarkasmus mit, wenn er die personale Misere vieler Verlage bei der Betreuung von Autoren beschreibt, ohne dass er die positiven Beispiele vergisst. Das Schreiben für Kinder und Jugendliche nimmt dabei größeren Raum ein, weil er es als befriedigend empfindet und ihm auch die Lesungen viel Spaß bereiten. Das Bändchen animiert, Wolfgang Bittners Autorenschaft durch Kenntnis seiner Bücher zu erweitern bzw. neu zu entdecken.
Kinder- und Jugendbücher von Wolfgang Bittner
- Kasperle geht in die Fabrik, Bilderbuch, Atelier-Handpresse 1979.
- Abhauen, Jugendroman, Huber/Frauenfeld 1980; Büchergilde Gutenberg
- Weg vom Fenster, Jugendroman, Huber/Frauenfeld 1982; Büchergilde Gutenberg 1984; Rowohlt-TB 1985, 1988; Bertelsmann-TB 1992; Neuausgabe Schatzkiste/Buch & Media 2001.
- Der Riese braucht Zahnersatz, Geschichten für Kinder, Büchergilde Gutenberg 1983; Huber/Frauenfeld 1983.
- Von Beruf Schriftsteller – Das Handwerk mit der Phantasie, Sachbuch, Beltz 1985.
- Die Fährte des Grauen Bären, Jugendroman, Thienemann, 1. und 2. Aufl. 1986; Bertelsmann- TB 1991, 2. Aufl. 1992, 3. Aufl. 1994, 4. Aufl. 1999, pdassi-ebook 2002; Neuausgabe: Laetitia 2004.
- Wo die Berge namenlos sind, Jugendroman, Bertelsmann 1989, 2. Aufl. 1990; TB 1998; pdassi-ebook 2002.
- Die Lachsfischer vom Yukon, Jugendroman, Bertelsmann 1991, TB 1998; pdassi-ebook, Neuausgabe: Laetitia 2006.
- Narrengold, Jugendroman, Bertelsmann 1992, TB 1998; pdassi-ebook 2002, Neuausgabe: Laetitia 2005.
- Die Insel der Kinder, Kinderroman, Bertelsmann 1994; pdassi-ebook 2003.
- Der Mond fährt mit der Straßenbahn, Bilderbuch, Bertelsmann 1995.
- Die Grizzly-Gruzzly-Bären, Bilderbuch, Nord-Süd 1996; Findling 2003.
- Felix, Kemal und der Nikolaus, Bilderbuch, Nord-Süd 1996, 2. Aufl. 1997.
- Tommy und Beule, Kinderroman, Klopp/Oetinger 1997; pdassi-ebook 2003.
- Der schwarze Scheitan, Kinderroman, Klopp/Oetinger 1998; pdassi-ebook 2003.
- Wochenende bei Papa, Bilderbuch, Kerle 1999; 2. Auflage 2001.
- Der alte Trapper und der Bär, Bilderbuch, Mann/Middelhauve 2000.
In der Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien www.ajum.de finden sich positive bis sehr empfehlende Besprechungen der letzten drei Bücher:
Der Kaiser und das Känguru, Bilderbuch zusammen mit Ursula Kirchberg, Lappan 2002.
Beruf: Schriftsteller, Sachbuch, Rowohlt-TB, 1. und 2. Aufl. 2002; pdassiebook 2003.
Felix und Mario wollen nach Italien, Erzählung für Kinder, Altberliner Verlag 2005.


