Literaturverfilmungen im Deutschunterricht
Geschrieben von: www.julim-journal.de/Petra Fischer
Theoretische Ausführungen zur Verfilmung von Literatur und praktische Hinweise zum Einsatz im Deutschunterricht in der Sekundarstufe II.
Schade, dass dieser Band erst jetzt erschienen ist, denn hier wird aufgeräumt mit dem Vorurteil, das Buch sei besser als die Verfilmung. Hier werden dem Lehrer fundierte Erkenntnisse zur Medienästhetik geliefert und adäquate Vorschläge zum Umgang mit Literaturverfilmungen gemacht.
Michael Staiger: Literaturverfilmungen im Deutschunterricht,
Reihe: Oldenbourg Interpretationen (112)
München: Oldenbourg 2010
978-3-637-00557-0
177 S * brosch. * 12,95 €
Schwerpunktmäßig geht es in diesem Band darum, Gemeinsamkeiten und Unterschiede des „schriftliterarischen“ und „filmischen Erzählens“ (vgl. S. 12) herauszustellen und den Schülern zu vermitteln. Prämisse ist, dass Buch und Film zwei grundverschiedene Medien mit unterschiedlichen Zeichensystemen und Codes sind, dass die ästhetische Erfahrung bei der Lektüre eines literarischen Textes nicht derjenigen bei der Rezeption eines Filmes entsprechen kann.
In den beiden ersten allgemeinen Kapiteln „Zur Theorie der Literaturverfilmung" und „Schriftliterarisches Erzählen“ erarbeitet der Autor notwendige Analysekategorien. Beachtenswert ist dabei die definitorische Genauigkeit, die nie auf Kosten der Verständlichkeit geht. Das dritte Kapitel „Einführung in die Grundbegriffe der Filmanalyse und der vergleichenden Erzähltextanalyse ...“ schafft Voraussetzungen für zwei einführende Unterrichtssequenzen. Diese können als eigenständige Unterrichtseinheiten zum Thema Medien bzw. Intermedialität verwandt oder mit den folgenden Vorschlägen zum Unterricht kombiniert werden. In den Kapiteln 4 bis 7 werden vier Klassiker der Schullektüre neben ihre Verfilmung gestellt und analysiert: „Die Leiden des jungen Werther“, „Die Marquise von O...“, „Der Process“, „Das Parfüm“. Spezifische Transformationsprobleme vom Buch zum Film führen zu Schwerpunktbildungen in den jeweiligen Unterrichtssequenzen (z. B. die Ausgestaltung des berühmten Gedankenstriches bei dem Kleisttext durch die Interpreten des Filmes).
Ungefähr 120 Seiten sind den Unterrichtshilfen gewidmet. Die fünf Kapitel sind gut strukturiert und bieten dem Lehrer vielfältige Anregungen und Hilfestellungen für die Praxis. Sie reichen von vier Eckpunkten einer Didaktik der Literaturverfilmungen bis zu genau ausgearbeiteten Unterrichtssequenzen und aufgezeigten Möglichkeiten, diese flexibel im Unterricht einzusetzen. Die insgesamt fünf Unterrichtsvorschläge sind nach folgendem gängigen Raster gegliedert: Schulstunde / Thema / Verlauf; Unterrichtsphasen / Methodische Realisierung / Hausaufgabe. Hinweise auf GK und LK, Additum, fakultative Aufgaben u. a. geben dem Lehrer Spielraum für seine Unterrichtsgestaltung.
Im Anschluss daran findet der Lehrer Vorschläge für Klassenarbeiten, Klausuren, Referate und Projekte sowie ein umfangreiches Angebot an Materialien. Sehr hilfreich ist auch ein Glossar über erzähltheoretische und filmanalytische Begriffe und am Schluss die Seite mit den technischen Hinweisen. Angaben, wo man sich die zu behandelnden Filme besorgen kann, befinden sich innerhalb der Unterrichtssequenzen; das ist sehr nützlich.
Insgesamt handelt es sich um ein gut durchdachtes Buch, das dem Studenten und dem Lehrer Anregungen und Rüstzeug für seinen Unterricht bietet, das angesichts der von der Kultusministerkonferenz geforderten Medienkompetenz eine Lücke schließt.
Zum Autor: Dr. Michael Staiger ist Akademischer Rat (Literaturwissenschaft, Literaturdidaktik) am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Pädagogischen Hochschule Freiburg.


