Zigeunerbilder in der KJL 2004-2011
Geschrieben von: www.julim-journal.de/Ute Wolters und Angelika Schmitt-Rößer
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Zigeunerbilder in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur
- Sinti und Roma als Zeitzeugen und fiktionale Figuren in der KJL
Am 27. Januar 2011, zum Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, durfte erstmalig ein Vertreter der Sinti und Roma im Bundestag an das Schicksal der verfolgten, deportierten und ermordeten Familien der Sinti und Roma in Deutschland und den besetzten Gebieten erinnern. Zoni Weisz führte vor Augen, wie wenig das Schicksal der rund 500.000 während der Zeit des Nationalsozialismus in Europa ermordeten Sinti und Roma bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert ist.
In den letzten Jahren sind mehrere Veröffentlichungen in der Jugendliteratur über diese Schicksale erschienen. Daneben gibt es eine Vielzahl fiktionaler Gestaltungen in der KJL, besonders aus dem angelsächsischen Bereich, oft in historischem Gewand, in denen sich auch tradierte und widersprüchliche Vorstellungen finden.
Die folgende Zusammenstellung von gekürzten Rezensionen aus der Datenbank www.ajum.de berücksichtigt die Neuerscheinungen bzw. Wiederauflagen von 2004 bis 2011 und gibt Hinweise auf didaktisches Material, Filme und weitere Titel. Dabei verwenden wir den Begriff »Zigeunerbilder« im Sinne von Awosusi, unabhängig von der heute üblichen Bezeichnung Sinti und Roma.
Awosusi, Anita (Hrsg.):
Zigeunerbilder in der Kinder- und Jugendliteratur. (Schriftenreihe des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma Band 9)
Der Umschlag ist nach einem Holzdruck von Otto Pankok von Hilda (Die Freche) gestaltet worden.
ISBN 3-88423-177-4
Verlag Das Wunderhorn
Heidelberg 2000
143 Seiten
Das Buch von Anita Awosusi, der Leiterin des Referates Dialog im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, enthält die Zusammenfassung der Vorträge einer Fachtagung »Das Bild des Zigeuners in der Kinder- und Jugendliteratur« (KJL), die 1999 in Heidelberg stattgefunden hat, erweitert um einige zusätzliche Arbeiten. In jedem Beitrag werden Beispiele der KJL erwähnt, teilweise ausführlich besprochen.
Das Buch enthält eine Bibliographie, die im Rahmen eines Forschungsprojektes »Zigeunerbilder in der deutschen Literatur« erarbeitet wurde, mit 69 deutschsprachigen Titeln und 25 Übersetzungen von KJL zwischen 1905 und 2000 – leider ohne jegliche Inhaltsangabe oder Kommentar – und viele brauchbare Hinweise auf Sekundärliteratur, sehr lesenswerte Artikel mit jeweils weiterführender Literatur.
Für die Zeit von 1905 bis 2000, die das Forschungsprojekt umfasste, fanden wir noch folgende Ergänzungen:
I.
Hackl, Erich: Abschied von Sidonie. Zürich: Diogenes 1989.
Mit der Bitte um Eltern wird das Zigeunerkind Sidonie Adlersburg an der Portiersloge des Krankenhauses von Steyr (Oberösterreich) abgegeben. Nach einer kurzen glücklichen Zeit bei ihren fürsorglichen Pflegeeltern können auch diese das Mädchen nicht von dem ihm zugedachten Ende im Konzentrationslager bewahren. Stellvertretend für ähnliche Schicksale erzählt Hackl in einer knappen, protokollarischen Sprache den authentischen Fall der Sidonie Adlersburg. http://de.wikipedia.org/wiki/Abschied_von_Sidonie.
Das Buch ist auf den Literaturempfehlungslisten für die Oberstufe zu finden. Es gibt umfängliches Ergänzungs- und didaktisches Material dazu bei Diogenes, 2000.
Der Film, Sidonie. Regie: Karin Brandauer. Eine Coproduktion des ORF, BR und Diogenes-Verlag. Ö/D 1990, weicht mehrfach vom Buch ab.
Rosenberg, Otto: Das Brennglas. Aufgezeichnet von Enzensberger, Ulrich. ISBN 3-9218-0649-4, Eichborn, Berlin 1998
142 Seiten, ab 18 Jahre
Der langjährige Vorsitzende der deutschen Sinti und Roma, Landesverband Berlin-Brandenburg, geb.1927, hat nie von seiner Kindheit und Jugend in Berlin berichtet, auch nicht von seiner Familie, die 1936 in das Zigeunerlager auf den Rieselfeldern in Berlin-Marzahn getrieben und 1943 nach Auschwitz deportiert wurde. Erst 1995 hat er Ulrich Enzensberger diese Geschichte erzählt. Nach diesen Tonbändern hat Enzensberger die Lebensgeschichte aufgeschrieben und mit sehr informativen Anmerkungen versehen. Nicht als Jugendbuch geschrieben, aber für ältere Jugendliche gut geeignet.
Yoors, Jan: Das wunderbare Volk. Meine Jahre mit den Zigeunern. München: dtv 1989
Autobiografische Erinnerungen des belgischen Autors, der als Zwölfjähriger von einer Roma-Familie adoptiert wurde und mit ihr zehn Jahre lang (1934-1944) durch Europa zog.
II.

Hackl, Kurt: Pfützenfritzchen. Nürnberg: Pfützenfritzchen Verlag 1917
In dem gereimten Bilderbuch enthält die Geschichte »Willi, der Ausreißer« ein zeittypisches Beispiel vom Kinder raubenden und gewalttätigen Zigeuner.
Schnurre, Wolfdietrich: Zigeunerballade. Frankfurt: Limes 1988
Literarische Beschreibung des Lebens einer Sinti-Gruppe in Deutschland, die sehr viele Informationen über Geschichte, Kultur und alltägliche Lebensformen und Probleme bietet.


