Schule versagt
Geschrieben von: www.julim-journal.de/tb
Ausgehend von den leidvollen Erfahrungen ihres Sohnes führt die Autorin eine Art Selbstversuch durch, wird Lehrerin, "um hinter die Kulissen der Schule" zu blicken.
Inge Faltin und Daniel Faltin:
Schule versagt
Warum Bildung ein Glücksspiel ist und wie sich das ändern kann
München: dtv 2011
978-3-423-24835-8
300 S * TB * 14,90
Bewertung: empfehlenswert
Schon der Titel provoziert. Schule ist ein Thema, das alle Menschen betrifft, denn: Jeder ist zur Schule gegangen, alle haben also Erfahrungen mit der Institution, und viele fühlen sich berufen, Urteile abzugeben, und wenn es hier heißt „Schule versagt“, so polarisiert diese Aussage.
Gerade erst konnte wieder beobachtet werden, mit welcher Begeisterung und mit welch hoher Erwartung Kinder zu Schulkindern wurden. Auch für Daniel Faltin war der Einschulungstag ein unbeschwerter, aber dann heißt es bei ihm „13 quälende Jahre lagen noch vor uns“. In ihrem Vorwort schildert die Autorin ihre Motivation, als Quereinsteigerin Lehrerin zu werden, es sind die leidvollen Schulerfahrungen ihres Sohnes Daniel.
Er kommt in ihrem Bericht als erster zu Wort. Seine Erinnerungen an seine Schulzeit sind extrem negativ besetzt. Seine Lehrer müssen allesamt senil, egozentrisch, alkoholkrank oder noch schlimmer gewesen sein. Nur seine Zeit an einer amerikanischen High-School wird positiv beschrieben. Die „verkorksten Jahre im deutschen Schulsystem“ habe er später mühsam aufgearbeitet.
Inge Faltin hatte Politikwissenschaften und Germanistik studiert, zunächst nicht mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Als ihr Sohn sich noch im Teenager-Alter befand, begann sie mit dem Referendariat. Diese Zeit und ihre Tätigkeit als Lehrerin an verschiedenen Berliner Schulen schildert sie in ihrem Bericht. Auch sie macht viele negative Erfahrungen, Missgunst, Neid, Konkurrenzdenken, Eifersucht im Kollegium, aber auch Motivation, Engagement, Mut und Unterstützung. Gemeinsam mit einigen Kollegen startet sie einen Innovationsversuch, EVA, eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen. Dieses Projekt wird sorgfältig protokolliert und analysiert. Auch die eigene Rolle schont die Autorin dabei nicht.
Inge Faltin benennt viele Baustellen im Schulsystem. Aus ihrer Kenntnis der Lehrer-, Schüler- und Elternsicht ist ein wichtiger Ansatzpunkt, die Rolle des Lehrers zu charakterisieren. „Zehn Jahre Unterrichtstätigkeit haben mich erfahren lassen, in welch hohem Maße die Persönlichkeit des Lehrers mit dem Lernerfolg korreliert.“ (S.115)
So stellt sie 7 Thesen auf zur nachhaltigen Verbesserung der Lehrer-Schüler-Beziehung:
- Bei sich selbst beginnen
- Die eigene Persönlichkeit entwickeln
- Vorbild sein
- Andere inspirieren
- Aus dem Weg gehen
- Mit Niederlagen umgehen
- Sich überflüssig machen
Die Lektüre lohnt sich, der Leser bekommt unzählige Denkanstöße und sollte sich dann ein eigenes Urteil bilden.


