Sexualität/ Aufklärung für Grundschulkinder

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Auffällig bei den Kinderbüchern für die Altersgruppe von 7 bis 11 Jahre erscheint, dass es deutlich weniger Angebote für diese Altersgruppe gibt und dass Sexualität und
Aufklärung oft witzig, humorvoll und nicht ganz sachlich geschildert werden. Zusammengestellt sind Rezensionen von 2002 - 2007 aus der Datenbank www.ajum.de.


Lenain, Thierry
Hat Pia einen Pipimax?
Aus dem Französischen von Rak, Alexandra
Illustration: Durand, Delphine
Oetinger, Hamburg 2002
978-3-7891-6836-9
32 Seiten* 8,50 € * 4 bis 9 Jahre

Thierry Lenain, selbst Vater zweier Töchter, schreibt gern Geschichten über starke Mädchen. Er
zeigt, dass Mädchen genauso stark oder noch stärker sein können als Jungen. In diesem Bilderbuch
wird das Geschlechtsteil als Machtsymbol in den Vordergrund gestellt. Paul, ein Junge im
Grundschulalter, teilt die Menschen in zwei Gruppen: die Mit-Pipimax und die Ohne-Pipimax. Während
Jungen einen Pipimax haben und stark sind, sieht er Mädchen als bemitleidenswert schwach
- weil ohne Pipimax - an. Seitdem Pia in seine Klasse geht und gut klettern und Fußball spielen
kann, gerät sein Weltbild ins Wanken. Zunächst meint er noch, sie habe heimlich doch einen Pipimax
und sei ein Junge. In mehreren situationskomischen Anläufen versucht Max Pia nackt zu
sehen, um sich davon zu überzeugen. Als sich dann herausstellt, dass Pia wirklich keinen Pipimax
hat, ist Pia überhaupt nicht niedergeschmettert, sondern selbstbewusst stolz auf ihr weibliches
Geschlechtsteil „Pipimaus“.
Dieses originelle Kinderbuch befasst sich mit Rollenerwartungen an Jungen und Mädchen. Es
ist reich bebildert und hat geringe Textanteile, sodass es für Leseanfänger genauso geeignet
ist wie für jüngere Kinder, die beim Vorlesen anhand der Bilder „mitlesen“ können. Die
Übersetzung scheint gelungen, trifft das Problem. Die farbigen Illustrationen von Delphine
Durand sind witzig anzusehen, passen genau zum Text und sind besonders humorvoll. Sie
knüpfen in der Art ihrer Ausgestaltung an Kinderzeichnungen an. Kinder vor der Einschulung
und im Grundschulalter werden ihren Spaß an diesem Buch haben. Der moderne Illustrationsstil
ist geprägt durch einfache - Kindern nachempfundene - Bilder mit witzigen
Details, die Ähnlichkeit mit cartoons aufweisen. Diese können gleichermaßen wie die naive
Sichtweise Pauls auch karikaturhaft gedeutet werden und sprechen so unterhaltsam weitere,
ältere Kinder an - und auch die Eltern können sich dem Lese- und Sehvergnügen hingeben.
Das Bilderbuch lässt sich gut in Gruppen betrachten - um Probleme zwischen den Geschlechtern
zu klären und festgefügte Rollenklischees aufzubrechen. Außerdem ist es eine erste Anregung zur
Sexualaufklärung.

Flacke, Uschi/ Brockamp, Melanie
Wie kommt das Baby in den Bauch?
Arena, Würzburg 2003
3-401-05460-0
48 Seiten * 9,90 € * 6 bis 9 Jahre
nicht mehr lieferbar

In diesem Sachbuch wird sexuelle Aufklärung in einer altersgerechten und liebenswerten Art
durchgeführt. Sie in eine Bildgeschichte eingebunden, die die beiden Kinder, der 6jährige Jan und
die 8jährige Lena, erleben. Durch ihre Eltern, die ein drittes Kind erwarten, erfahren sie alles über
die Zeugung, die Entwicklung des Embryos und die Geburt. Die detaillierten Bilder veranschaulichen
die Informationen, die im Text vermittelt werden. Dadurch erlangen die jungen Leser konkrete
Vorstellungen über den Körperbau bei Mann und Frau. Die Vermittlung der Wissensinformation
ist gerade deshalb so gut gelungen, weil die Fragen der lesenden Kinder durch die Kinder der
Bildgeschichte gestellt und von deren Eltern beantwortet werden. Indirekt erhalten die Kinder außerdem
Anregungen, wie sie zu weiteren Informationen z.B. über das Internet gelangen können.

Schneider, Sylvia/ Gotzen-Beek, Bettina
Du kommst auch aus Mamas Bauch
cbj, München 2005
978-3-570-12939-5
63 Seiten * 14,90 € * 6 bis 9 Jahre

Die Zwillinge bemerken eines Tages, dass Mamas Bauch ganz dick geworden ist. Lara und Daniel
(7 Jahre) vermuten, dass Mama zu viel Pudding gegessen hat. Da lüftet Papa das Geheimnis:
Mama bekommt ein Baby!
Dieses Buch ermöglicht den Eltern gemeinsam mit ihrem Kind ausführlich und sachkundig die
ersten Fragen zum Thema Sexualität sowie Familie, Wachstum, Mädchen und Junge, Gefühle
und sinnliche Erfahrungen zu beantworten. Durch Teilüberschriften und einfache Sätze wird die
fortlaufende Geschichte und der umfangreiche Inhalt sehr verständlich dargestellt. Themen wie
„Zusammen schlafen“, Verhütung und Pubertät werden ganz offen angesprochen und liebevoll
erklärt.
Die Illustrationen erstrecken sich häufig über die ganze Doppelseite und wirken trotz kräftiger
Farben sehr angenehm. Die Figuren sind lebensecht gezeichnet und leicht umrandet, dadurch
bekommen die Kinder einen Blick auf das Wesentliche. Oft ist der Hintergrund der Illustrationen
einfarbig. Besonders auffällig sind die Kinderzeichnungen, die in die Illustrationen eingearbeitet
sind. Diese geben den Eltern die Möglichkeit, unabhängig von der Geschichte Themen zu erklären.
In einer Kinderzeichnung wird zum Beispiel die vorgeburtliche Entwicklung eines Kindes vom 1. bis
9. Monat dargestellt und in einer anderen ist die Geburt zu sehen.
Dies Buch kann als Aufklärungsmedium im Kindergarten oder in der Schule verwendet werden.
Besonders viel Freude an diesem Buch werden Familien haben, bei denen gerade ein Baby unterwegs
ist.

Allan, Nicholas
Wohin will Willi?
Aus dem Engl. von Baumann, Peter
Lappan, Oldenburg 2006
978-3-8303-1101-0
28 Seiten * 12,90 € * 7 bis 9 Jahre

Das Cover mit Willi wirkt motivierend - eine kleine Samenzelle, vermenschlicht dargestellt. Auf der
nächsten Seite wird den Leserinnen der Herrn Braun (nackt) vorgestellt, und es wird mit einem
Pfeil gezeigt, wo Willi mit über 300 Millionen anderen Samenzellen zusammen lebt. In dem Hoden
von Herrn Braun befinden sich nicht nur Spermien, hier gibt es auch ein Kino, ein Schwimmbad,
eine Schule usw.. Diese Schule besucht Willi. Beim Kopfrechnen hat er so seine Schwächen, aber
im Schwimmen ist er sehr gut. Dann kommt der „große“ Tag im Wettschwimmen. Dem Sieger
beim Wettschwimmen winkt als Preis ein Ei, welches bei Frau Braun wohnt. Der Wohnort des Eies
wird wieder mit einem Ganzbild von Frau Braun dargestellt.
Mit sehr witzigen, liebevoll gemalten Bildern gestaltet der Autor sein Thema. Die einfachen Zeichnungen,
die Farben und die kleinen Kommentare in den Bildern sind ausgesprochen humorvoll und
sehr ansprechend dargestellt. Für größere Kinder bieten sich viele Gesprächsanlässe - besonders
am Ende des Buches, wenn ein Zusammenhang zwischen Willi und dem neuen Baby hergestellt
wird. Ist ein Kind im ausklingenden Grundschulalter aufgeklärt, so bietet das Buch auf lockere
Art eine nette Ergänzung zum Thema Sexualkunde, an der vor allem auch noch Erwachsene beim
Vorlesen und Erklären ihre Freude haben werden.

Thomas Rosenlöcher/ Maja Bohn
Der Mann, der noch an den Klapperstorch glaubte
Rostock: Hinstorff 2007
978-3-356-01225-5
32 Seiten * 14,90 € * 6 bis 11 Jahre

Nicht so ganz ernst gemeint: Die Figuren agieren zum Teil ohne Hintergrund. Frauen werden so
dargestellt, wie es sich wohl nur weibliche Illustratoren trauen (sehr schlappe Hängebrust oder
vollbusig mit riesigem Körperumfang dazu). Während der Mann „in den besten Jahren“ keine
Ahnung hat, woher die Kinder kommen, turnen Junge und Mädchen Riesenfelgen an der Teppich-
Klopfstange. So also ist die Welt heute. Die Kletterpflanze strebt unaufhörlich nach oben, wo der
Mann freundlich lächelt, aber ziemlich dumm ist dahinter. Zunächst scheut er sich nicht einmal,
Mütter und Väter, aber auch Kinder zu fragen, woher sie denn kämen. Na, solch eine Blöße gibt
man sich nur, wenn man wirklich sehr einfältig ist.
So ist der Mann immer noch, selbst nachdem seine Nachbarin ihm „handfest“ zeigte, wie Kinder
entstehen. Er weiß am Ende immer noch nicht wirklich wie es geschah. Ich ahne es ja mehr als er,
aus welcher Begebenheit dies Kind entstand! Dennoch mag ich es sehr, wie die Mutter das kleine
Ebenbild des Vaters eben diesem entgegenstreckt, während ihm eine Freudenträne aus dem Auge
und unter der Brille hervorquillt.
Dass alles ein glückliches Ende nimmt, wird im letzten Bild dargestellt: Ein Vorhang, neben dem
übereinander noch einmal quasi als Schauspieler der Mann, das Kind und die Mutter herausschauen.
Dann kommt der Nachspann und dann noch eine Kuckucksuhr und oben rechts, gerade noch
erkennbar, die Füße eines Vogels. Storch für diese Geschichte? Kuckuck für eine folgende?
Eine schöne Idee des Hinstorff-Verlags: Wann immer möglich darf das/ ein Kind des Illustrators/
der Illustratorin die beiden Macher - und sich selbst auch - neben der kurzen Vita zeichnen.2007