LesePeter Jugendbuch - Auswahlliste 2012

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Neben dem Sieger für den LesePeter Jugendbuch im Februar 2012 (das Siegerbuch wird noch nicht verraten) gibt es noch drei weitere Bücher, die auf der Auswahlliste standen:

 

 

McCormick, Patricia: Versehrt
Aus dem amerikanischen Englisch von Alexandra Ernst
Fischer Schatzinsel 2011
ISBN 9783596854288
gebunden, 192 Seiten, 13,95€
Sehr empfehlenswert ab 14 Jahren

Matt ist 18, als er aufwacht, sich anfangs kaum bewegen und nur rudimentär an einen Einsatz im Irak erinnern kann. Sein Schädel-Hirn-Trauma macht ihm aber reichlich zu schaffen. Ihn quält, aus den Gedächtnisbrocken rekonstruieren zu müssen, dass er einen Jungen erschossen habe. Langsam stellt sich sein Gedächtnis wieder ein, aber erst nach einem weiteren Einsatz in der gleichen Gegend kehrt das Erinnern mit Macht zurück.
Den Traumata, die Krieger erleiden, wird heute aber völlig anders begegnet als noch vor wenigen Jahrzehnten. Eine eingespielte Rehabilitationsmannschaft steht ihnen zur Seite, der Soldat muss schnell wieder funktionieren.
Es trifft Matt eiskalt, als die Soldatin Charlene neben ihm erschossen wird, das Erkennen, dass selbst Kinder potentielle Gegner sind. Die jungen Soldaten ziehen mit Illusionen in den Krieg. McCormick hat nicht eigentlich ein Anti-Kriegs-Buch geschrieben, aber es legt den Finger in die offenen Wunden eines Kriegseinsatzes. Der Irak als Kriegsschauplatz ist beliebig austauschbar, die Soldaten von heute leben in der Illusion, dem Land, in dem sie eingesetzt sind, zu helfen. Und sie müssen schnell erkennen, dass sie in einem Krieg stecken, einem Krieg, der immer auf dem Rücken der kleinen Leute ausgetragen wird und der jeden trifft, auch den, der nicht verletzt wird.

 


Orlev, Uri: Ein Königreich für Eljuscha
Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler
Beltz 2011
ISBN 9783407810885
gebunden, 285 Seiten
Sehr empfehlenswert ab 12 Jahren



Eljuscha ist fünf, als seine Familie t aus der ostpolnischen Stadt vor der deutschen Wehrmacht flieht. Sie findet eine neue Heimat in Kasachstan. Eljuscha befreundet sich mit den Dorfjungen und ihm fällt der Abschied schwer, als die Mutter beschließt, nach Israel auszuwandern. Dort landet er in einem Kibbuz, wieder in einer völlig anderen Welt.
Einen Großteil der Erzählung nimmt das Leben auf dem Land ein, die Schilderung der zentralasiatischen Bevölkerung, die Lebensfreude, Schlitzohrigkeit und Naivität, mit der der Junge auf Entdeckungstouren zieht. Die Herzlichkeit, mit der diese Landbewohner miteinander umgehen, fällt dem Ich-Erzähler erst im israelischen Kibbuz auf, als er feststellt, dass körperliche Nähe dort gemieden wird, als er dort seine Mutter trifft, umarmt und herzt - und damit zum Gespött aller wird.
Den historischen Hintergrund bekommt der junge Migrant kaum mit, der Krieg lässt sich in der fernen Welt Asiens nur gelegentlich sehen. Auf der Rückfahrt nach Polen wird der Flüchtlingszug von deutschen Kampffliegern beschossen – Eljuscha empfindet das mehr als Abenteuer denn als Bedrohung. Der Krieg erreicht den Jungen dann doch: Er ist elf, als der Staat Israel ausgerufen wird, die Araber werden aus dem Land gewiesen, der erste Krieg beginnt und Eljuscha weiß, dass neues Unrecht neues Unheil herauf beschwört.




Weibel, Andrea: Freya und das Geheimnis der Großmutter
Jungbrunnen 2011
ISBN 9783702658342
gebunden, 197 Seiten
Sehr empfehlenswert ab 12 Jahren



Mit zwölf zieht Freya zur Tante. Sie wuchs für das 18. Jahrhundert sehr frei auf. In dem bigotten Haushalt der Tante scheint sie zu erfrieren. Dann taucht ihre Halbschwester auf, nimmt sie zu sich und Freya atmet auf. Als ihr Freund an Scharlach erkrankt, muss sie sich gegen unglaublichen Aberglauben durchsetzen, um ihm helfen zu können.
Zwei Welten stoßen hier - gekonnt erzählt - aufeinander: die freie Erziehung zu einem mündigen Menschen und der tief verwurzelte Aberglauben, der nichts neben sich zulassen will. Bei der schweren Erkrankung solle Beten helfen, alles andere sei des Teufels. Freyas Mutter sagte ihr auf dem Sterbebett, dass sie immer auf ihre innere Stimme achten solle. Freya rettet dies, sie kann sich so gegen die starre Tante, den stummen und aggressiven Onkel entscheiden, sie kann die verdummende Schule überstehen und die richtige Gelegenheit erkennen, dieser Hölle zu entrinnen. Die Großmutter ihres Freundes erzählt ihr über ihre Familie, was ihr keiner mitteilen will, sie steht noch tief im mittelalterlichen Aberglauben, kannte aber Freyas Großmutter und eröffnet ihr beider Geheimnis. Das tumbe Dorf handelt unverdrossen nach der Devise, dass man über Unangenehmes nicht reden solle.
Weibel beschreibt das Erwachen des Abendlandes. Denken und Sprache der jungen Mädchen sind ganz der neuen Zeit verpflichtet, das Dumpfe der ewig Gestrigen durchdringen sie wie mit leuchtenden Schwertern.