Kleist zum Todestag 2011
Geschrieben von: www.julim-journal.de/Schlewitt, Jörg
Wir erinnern mit dem neu erzählten Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ von Barbara Kindermann an den 200. Todestag des Schriftstellers Heinrich von Kleist
Am 21.November 2011 gedenken wir des 200.Todestages Heinrich von Kleists. Pünktlich zu diesem Jubiläum bringt der Kindermann Verlag Berlin in seiner Reihe „Weltliteratur für Kinder“ des Dichters immer wieder gespielten Dreiakter „ Der zerbrochene Krug“ (geschrieben 1803/05, Aufführung 1808, gedruckt 1811) heraus.
Mit diesem Band sind Barbara Kindermann als Autorin der Nacherzählung und Willi Glasauer als Illustrator das Wagnis eingegangen, das Lustspiel von Kleist für medienverwöhnte Kinder als Lektüre aufzubereiten. Es geht in dem Stück um den Dorfrichter Adam, der in einem niederländischen Dorf in der Nähe von Utrecht versucht hat, das Mädchen Eve zu verführen. Dabei geht ein wertvoller Krug im Zimmer von Eve zu Bruch. Der unerwartete Besuch des Gerichtsrates Walter zwingt den Dorfrichter zu einer öffentlichen Verhandlung, in deren Verlauf der nächtliche Besucher im Zimmer des Mädchens ermittelt werden soll. Der Prozess gerät zu einem turbulenten Kriminalfall, der im Verlaufe der Verhandlung immer groteskere Züge annimmt, bis sich schließlich der Richter Adam durch seine tollpatschige Prozessführung selbst als Täter überführt.
Barbara Kindermann hat die Vorlage des Lustspiels in nun schon bewährter Weise in Prosa nacherzählt. Bei diesem Text gelingt es ihr besonders gut, dem Stil und der Wortwahl des Originals verpflichtet, zu erzählen. Die wörtlich aus der Vorlage übernommenen Passagen, kursiv gedruckt, fügen sich gut in den Textfluss ein, so dass keine Brüche in der Nacherzählung entstehen. Das Betrachten der Bilder von Willi Glasauer,- bunt und oft großformatig gestaltet, sind schon für sich genommen ein ästhetischer Genuss. Als eigenständige Kunstwerke sind sie dem Text zur Seite gestellt und sie helfen den jungen Lesern mit den Augen des Künstlers die dramatische Handlung zu verfolgen
In der Reihe „Weltliteratur für Kinder“ sind bisher erschienen :Hamlet
(unter http://www.ajum.de/anzeige_print.php?id=221009026 besprochen), Die Räuber, Ein Sommernachtstraum, Nathan der Weise, Faust, Wilhelm Tell u.a.
In der Reihe „Poesie für Kinder“ haben wir „ Die Ballade vom Seiltänzer Felix Fliegenbeil“ von Michael Ende, mit Bildern von Henrike Robert unter http://www.ajum.de/anzeige_print.php?id=221103043 sowie von Friedrich Schiller „Die Teilung der Erde“, mit Bildern von Kateryna Yerokhina unter
http://www.ajum.de/anzeige_print.php?id=221103044 vorgestellt.
Die adaptierten Werke können die Lektüre des Originals oder bei den dramatischen Texten einen Theaterbesuch nicht ersetzen. Wohl aber kann mit der Reihe „Weltliteratur für Kinder“ jungen Lesern ein erster bleibender Eindruck dieser klassischen Texte vermittelt werden. Auch für jugendliche Leser kann sich die Lektüre der Nacherzählungen lohnen, ist doch ein Vergleich mit dem Original ein interessantes Projekt für einen produktiven Literaturunterricht.
Die adaptierten klassischen Werke des Kindermann Verlages wurden mehrfach ausgezeichnet, sie sollten in keiner Schulbibliothek fehlen.


