Das J-J stellt vor: DIX LitLe
Geschrieben von: www.julim-journal.de/UH Baselau
Nein, es ist kein Schreibfehler, sondern eine nette Idee, ein Spiel mit Buchstaben und dem Sinn dahinter. LitLe liest sich wie «little», und in der Tat zielt die Reihe auf Erstleser. LitLe hat allerdings auch einen großen Buchstaben mittendrin und steht für «Literatur Lesen». Also werden anspruchsvolle Texte gedruckt, die dennoch von Erstlesern bewältigt werden können. Lesedidaktiker wissen, dass Kinder auch gefordert werden wollen und es gar nicht schlimm ist, wenn bestimmte Namen oder Begriffe noch nicht bekannt sind und sich vielleicht auch nicht einmal innerhalb des Buches erschließen. Wir wollen ja schließlich alle schlauer werden und nicht stagnieren auf einem einmal erreichten Niveau.
Lesebücher für bestimmte Altersstufen gibt es in vielen Verlagen, viele mit neuen und guten Ideen (Erst ich ein Stück, dann du / Leselöwen, Leseleiter / Leserabe / Bücherbär / Lesebiene / Lesemaus usw.). Der DIX-Verlag versucht nicht nur anspruchsvolle Texte zu vermitteln, er will auch jedes der Hardcover-Bücher von innovativen Illustratoren begleiten lassen, eine Mischung aus Bilderbuch und Erstlesetexte im Format des letzteren. Jedes Buch wird (bisher) von je anderen Schriftstellern erzählt und die Illustratoren wechseln ebenfalls.




Die Themen sind vielfältig und spielen nicht mit dem Erfahrungsschatz der Kinder. Weder Ponyreiten noch Schwimmenlernen oder die Neue in der Schulklasse oder Paul braucht eine Brille, sondern «Das Leben auf Baum Nummer 532» oder «Oma Frida und ihr kleines Seeungeheuer in der Suppentasse», «Wie sich Maus und Elefant ergänzen» sowie eine TierKrachMachKapelle, ein Elefant, der nicht im Zirkus auftreten möchte, sondern lieber in der Schule lernen, die Geschichte von einem Geräuschesammler oder ein Buch über Max und sein Kater auf der Suche nach dem Ende der Welt.
Uns liegen sieben Bücher der Reihe vor. Drei davon erfüllen voll und ganz das angekündigte Niveau, bei den anderen gibt es hier und da Kritik, die weniger die zumeist mutigen Illustrationen betrifft und auch nicht die Idee, sondern eher den Erzählstrang. 
Konzentrieren wir uns aber auf die anderen drei. Da ist zuallererst die Geschichte von dem Chamäleon auf dem Baum Nummer 532 zu nennen. Eine ganz eigenständige Idee von Simak Büchel, exotisch weit weg und doch mit deutschen Nachbarn (französisch-deutscher-Text im Vorsatz) gewürzt. Mit viel Mut und unerschütterlichem Glauben und einer Sehnsucht will das weibliche Chamäleon die Krone des Urwaldbaums sehen und noch höher hinaus.
(zur Rezension)
Ebenso fast absurd ist die Geschichte von «Oma» Frida (93 Jahre alt und mit einer Frisur, die sie fast in Konkurrenz bringt mit den Leningrad Cowboys ), deren Enkel wir gar nicht kennenlernen, dafür aber ihren Schoscho, ihr merkwürdiges Seeungeheuer, das in einer Kaffeetasse lebt. (zur Rezension)
Und auch die Geschichte mit der Maus mit dem wahnsinnig breiten roten Rock, der ihre Hüften mehr als verdreifacht annimmt, ist sehr besonders. Nein, ihre Freundschaft findet sie nicht bei den Mäusen, sie will einen Elefanten als Freund. Dabei weiß doch jeder, dass Elefanten sich vor fast niemandem fürchten, aber dieses FAST betrifft ausgerechnet Mäuse. (zur Rezension)
Für diese drei Bücher gilt genau das und ohne jeden Abstrich, was der Verlag mit dieser Reihe bezweckt. Bei den anderen trifft das ebenfalls in großen Teilen zu, aber entweder hat den Verlag der Mut verlassen oder er hat etwas halbherzig auch auf die anderen Bücher gesetzt. Die Ermunterung heißt: Eine Reihe muss gar nicht
mit sieben Büchern beginnen! Was sie zeigen muss, ist Konsequenz. Das trifft zwar den einen oder anderen Autor / Illustrator (auch wie sonst in weiblicher Form), hält aber die Reihe und ihren Anspruch oben.
Für die drei genannten Bücher haben wir ausführliche Rezensionen in unserer Datenbank erstellt, die man per Mausklick aufrufen kann: Baum 532, Oma Frida und das Seeungeheuer, Elefantenzart und Mäusestark.
Auch mit den genannten Einschränkungen ist zu vermerken, dass ein noch junger Verlag einen guten Weg beschreitet, jungen Autoren und Illustratoren eine Möglichkeit zu geben, in einem gesetzten Rahmen gute und vor allem sehr gute Arbeit zu liefern.


